Charterurlaub unter der Lupe

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Charterurlaub unter der Lupe

Jüngere Kunden, größere Yachten, kürzere Mietzeiten: Online-Agentur „Nautal“ veröffentlicht Marktbericht über die schwimmende Ferienbranche auf den Balearen

Schaukelnde Masten, in der Sonne blitzende Relings und doppel- und gar dreistöckige Schiffsdecks so weit das Auge reicht: Boote und Yachten sind in Mallorcas Häfen deutlich sichtbar. Anders sieht es mit den Firmen und Unternehmen aus, die mit einem nicht unbeachtlichen Teil dieser Freizeitflotten ihr Geld verdienen. Grund: Einen offiziellen Bericht über das Angebot und die Nachfrage in der Welt der schwimmenden Urlaubsdomizile sucht man seit vielen Jahren vergeblich.         

Licht ins Dunkeln will jetzt die spanische Online-Agentur „Nautal“ bringen, die seit rund vier Jahren unter anderem das Charterangebot an der spanischen Mittelmeerküste, auf den Balearen sowie auf den Kanaren bündelt und vermarktet. Das Unternehmen mit Sitz in Barcelona veröffentlichte vor kurzem den ersten „Saisonbericht über den Chartersektor in Spanien“. Für den Bericht wurden die diesjährigen Buchungen von rund 1.400 Charteryachten in ganz Spanien herangezogen. „Unsere Studie repräsentiert sicherlich nicht jedes einzelne Charterunternehmen, bietet aber interessante Einblicke in eine Branche, die insbesondere in Spanien eines der attraktivsten Urlaubsangebote für Ausländer stellt“, sagt Anke Schreiber, Vertriebsmanagerin bei Nautal für den deutschen Markt.         

Ihrer Meinung spiegelt der Bericht drei deutliche Trends wider. Zum ersten ein im Vergleich zu früher steigendes Angebot an größeren Charterbooten und Yachten. „Der spanische Sportbootführerschein PER ermöglicht seit etwa eineinhalb Jahren auch das Führen von Booten mit einer Länge von über zwölf Metern Länge. Das hat im gleichen Zeitraum dazu geführt, dass in Spanien mehr Yachten dieser Kategorie gekauft wurden. Und somit auch dem hiesigen Chartermarkt zur Verfügung stehen, der zu über 90 Prozent aus Privatyachten besteht“, so Schreiber.            

Zweitens: Kundenprofil und Buchungsverhalten sind im Wandel begriffen. „Das durchschnittliche Alter von ausländischen Charterurlaubern liegt traditionsgemäß bei 50 plus. Wir haben in diesem Jahr jedoch einen deutlichen Zuwachs an jüngeren Kunden feststellen können“, sagt Schreiber. Ein Grund dafür könnte der durch das Internet vereinfachte Zugang zu den Angeboten sein, vermutet die Deutsche. „Charterurlauber waren in der Vergangenheit vor allem Wiederholungstäter, die beim Buchen oftmals jahrzehntelang auf den gleichen Anbieter zurückgriffen. Heutzutage ermöglichen Internet-Portale einen zeitgemäßen und transparenteren Preisvergleich. Will heißen: Wem das Angebot bei seiner bisherigen Charteragentur zu teuer scheint, kann per Mausklick einfach ein besseres wählen.“          

Wobei besser nicht immer gleich für günstiger steht. „Gerade Frischlinge unter den Yachturlaubern können nicht verstehen, warum die Preise für die vermeintlich selbe Yacht in der gleichen Destinationen teilweise erheblich auseinanderklaffen“, erklärt Schreiber. Im Gegensatz zu Mietwagen, die bei fast allen Anbietern in der Regel nagelneu sind, bestehen die Hauptunterschiede bei Mietyachten in deren Alter. „Eine sechs oder sieben Jahre alte Segelyacht ist in der Regel immer billiger, weil sie nicht über den gleichen Komfort oder die Ausstattung verfügt wie ein nur ein oder zwei Jahre altes Boot. Das merkt man dann meist erst nach dem Ablegen, wenn der Kühlschrank an Bord nicht mehr richtig kühlt, die Schoten klemmen oder der Dinghi-Motor beim Übersetzen zur Strandbar den Geist aufgibt“.        

Und drittens: die Mietzeiten in der Charterbranche werden kürzer. „Insbesondere der Tagescharter für Motorboote und Ribs verzeichnet einen spürbaren Zuwachs. Viele Urlauber möchten während ihres Aufenthaltes verschiedene Freizeitangebote nutzen. Der klassische Wochencharter wird deshalb nicht verschwinden. Doch die  Charterfirmen werden ihr Angebot  in Zukunft sicherlich zeitlich flexibler gestalten“, meint Schreiber.      

Hinsichtlich der beliebtesten Törnreviere für europäische Charterurlauber in Spanien liegen die Balearen - und insbesondere Mallorca - weiterhin mit Abstand an der Spitze. „Der vielfältige Küstenverlauf mit seinen zahlreichen Ankermöglichkeiten sowie die ausgezeichnete Wasserqualität sind neben dem ganzjährig guten Klima und den zahlreichen Fluganbindungen dafür ausschlaggebend“. Keine andere Region in Spanien verfüge zudem über ein so breit aufgestelltes Angebot an Booten und Yachten. Auch wenn die Charterpreise im Durchschnitt keineswegs die günstigsten seien. „Sie liegen im Vergleich zur Costa Blanca um bis zu 30 Prozent drüber“, meint Schreiber.          

Einer wachsenden Beliebtheit erfreue sich dennoch auch Mallorcas Nachbarinsel Menorca. „Wir haben dort in diesem Jahr einen nicht unerheblichen Buchungszuwachs verzeichnet, was sicherlich mit dem wachsenden Charterangebot sowie den im Vergleich zu Ibiza und Mallorca günstigeren Liegeplatzpreisen in den Häfen zu tun hat“, glaubt Schreiber.          

Ansonsten sei die Stimmung in der Branche wieder durchweg positiv. „Die überwiegende Mehrzahl der von uns befragten Charterunternehmen war mit der Saison 2015 vollauf zufrieden“. Und wie wird es voraussichtlich nächstes Jahr laufen? „Das ist nicht einfach zu beantworten, da die Buchungen aufgrund des größer gewordenen Angebotes immer kurzfristiger werden. Die Zahl derer, die wie in der Vergangenheit häufig der Fall bereits ein Jahr im voraus ihren Charterurlaub reservieren, nimmt langsam aber stetig ab“, so Anke Schreiber. Auf den letzten Drücker eine Motor- oder Segelyacht zu buchen, halte sie trotzdem nicht für empfehlenswert. „Insbesondere in den besonders beliebten Destinationen wie die Balearen läuft man in der Hochsaison Gefahr, am Ende auf dem Trockenen sitzen zu bleiben.“ 

 

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