Mallorcas Weine - IN VINO VERITAS

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Mallorquinische Spitzenweine erobern die Welt IN VINO VERITAS Lothar Neuse mit einer Übersicht über die besten Bodegas der Insel Sie heißen Stairway to heaven, Schwarze Seele, 4 kilos oder schlicht JP. Nein, die Rede ist keineswegs von Gangster-Rappern oder Wrestling-Größen. Wir reden über Wein. Genauer gesagt über mallorquinischen Wein. In nur wenigen Jahren hat sich der Insel-Rebsaft komplett neu erfunden und ist inzwischen zu einem echten Exportschlager herangewachsen.

Mallorquinische Spitzenweine erobern die Welt
IN VINO VERITAS


Lothar Neuse mit einer Übersicht über die besten Bodegas der Insel

Sie heißen Stairway to heaven, Schwarze Seele, 4 kilos oder schlicht JP. Nein, die Rede ist keineswegs von Gangster-Rappern oder Wrestling-Größen. Wir reden über Wein. Genauer gesagt über mallorquinischen Wein. In nur wenigen Jahren hat sich der Insel-Rebsaft komplett neu erfunden und ist inzwischen zu einem echten Exportschlager herangewachsen. Neue Bodegas schießen wie Pilze aus dem Boden, mallorquinische Winzer werden in US-Talkshows eingeladen, und die Weine der Insel haben inzwischen auch Export-Märkte wie Japan und Korea erreicht. Keine Frage: Mallorquinischer Wein ist in, super-in sogar. Während wir vor 20 Jahren in Restaurants quer über die Insel noch mit Festland-Weinen vorlieb nehmen mussten – allen voran der berühmt-berüchtigte Vina Sol – haben heute mallorquinische Weine sowohl einen festen Stammplatz in so gut wie allen Weinkarten als auch die Herzen (sprich: den Gaumen) der Mallorca-Besucher erobert. Wer will, der darf durchaus von einer Wein-Revolution reden. Zu verdanken ist dies überwiegend jungen, kreativen Winzern und mutigen Geschäftsleuten, die das (Wein-)Potential der Insel erkannt haben. In Vino Veritas  – unter diesem Motto wird immer mehr Wert auf Klasse als nur auf Masse gelegt.  Und – wie könnte es auch anders sein – auch Deutsche mischen bei dem Wein-Boom kräftig mit.
Doch bevor wir über die Elite der mallorquinischen Winzer 2013 reden, blicken wir erst einmal zurück. Im Jahr 121 vor Christus soll es gewesen sein, als das damals Römische Reich die Balearen-Insel Mallorca als Weinanbaugebiet entdeckte.  Seitdem ging es steil bergauf. Im Mittelalter soll es 156 (!) Weinkeller gegeben haben und die Insel zählte zu den Top-Lieferanten für den Königshof in Madrid. Ende des 19. Jahrhunderts betrug die Anbaufläche rund 30.000 ha bei einer Jahresproduktion von nahezu 50 Millionen Litern Rebsaft. Wahnsinn!
Und dann ? Ja, dann kam die gemeine Reblaus und das war dann auch das abrupte Ende der mallorquinischen Wein-Dynastie. Nichts ging mehr und das wenige, das noch ging, war der Rede nicht wert. Oder, um ganz ehrlich zu sein, nicht besonders gaumenfreundlich…  
Die Revolution begann in den 80er Jahren.  Zwar gab es schon zuvor Winzer wie Miquel Oliver (seit 1912), José Luis Ferrer (seit 1931) oder Jaume Mesquida (seit 1945), aber so richtig angesagt waren sie damals nicht. Nein, es waren andere, die den mallorquinischen Wein aus seinem Schattendasein erlösten.  Allen voran sicherlich eine junge Bande aus Felanitx, die mit ihrem Anima Negra (Schwarze Seele) eine neuen Meilenstein setzte. Plötzlich war mallorquinischer Wein international, begehrt, bewundert. 45 (!) Exportmärkte hat der Anima Negra inzwischen erschlossen und der amerikanische Wein-Papst Robert Parker verlieh dem 2010er Jahrgang stolze 93 Punkte.
Eine Revolution hat immer mehrere Revolutionsführer. Beispielsweise Miquel Gelabert. Der ehemalige Gastronom und (Wein-)Autodidakt mit Sitz in Manacor ist sicherlich der experimentierfreudigste Weinmacher der Insel. 45 verschiedene Rebsorten hat er im Laufe der Jahre bereits getestet, aber längst nicht alles, das er probiert, wird auch in Flaschen abgefüllt. Doch das, was er vinifiziert, kann sich sehen lassen. Spätestens als sein im Fass ausgebauter Chardonnay zum besten Weißwein Spaniens gekürt wurde, hatte (und hat) Mallorca einen Wein-Guru mehr. Zwei weitere seiner Spitzen-Weine heißen Vinya Son Caules und Torrent Negre.
Ein Ausnahme-Winzer ist sicherlich auch Pere Calafat. Er repräsentiert gemeinsam mit seinem Bruder die Bodega Jaume de Puntiro in Santa Maria, die von seinem Vater 1980 gegründet wurde. Pere Calafat ist Mallorcas Öko-Winzer mit Diplom. Pestizide oder Kunstdünger sind bei ihm verpönt und die Weine werden noch in echter Handarbeit gekeltert. Die Spitzen-Produkte der Bodega heißen JP (sehr rar), Buc und Carmesi.
Mit im Olymp der besten Wein-Erzeuger Mallorcas sitzt auch das Damen-Führungs-Trio der Bodega Ribas in Consell. Die Ursprünge der Kellerei gehen auf das Jahr 1711 zurück, doch so richtig aktiv ist man dort wieder seit 1986. Dem Top-Produkt der Bodega, der Ribas de Cabrera, bescheinigte Robert Parker „an amazing intensity“ und würdigte es mit 92 Parker-Punkten. 
Ein weiterer Star am Weinhimmel heißt zweifelsohne Macia Batle. Seit dem Gründerjahr 1996 ist Mallorcas Weinwelt nicht nur durch den imposanten Neubau in Santa Maria um einiges reicher geworden.  Gute Produkte und ein perfektes Marketing, das ist die gesunde Mischung von Ramon Batle, der die Bodega seit Beginn an leitet. Bei einem Besuch in Santa Maria (ja, man darf und soll sogar!) findet der Liebhaber nicht nur ein breites Sortiment an Weinen, sondern auch korrespondierende Produkte wie hochwertige Oliven-Öle oder ausgefallene Brotaufstriche. 
Top, dieses Prädikat gilt sicherlich auch für die Weine der Brüder Coll Pastor. Ihre Bodega bei Inca heißt Son Bordils und alte Aufzeichnungen belegen, dass auf den heutigen 34 ha schon im 14. Jahrhundert edle Weine angebaut wurden. Wie so viele auf Mallorca haben auch die Brüder mit alten Traditionen gebrochen, um sich einen internationalen Markt zu erschließen. Am Anfang der neuen Wein-Ära, als die ersten Winzer-Genossenschaften gegründet wurden, hatte man sich nämlich verpflichtet, ausschließlich die einheimischen Rebsorten namens Manto Negro, Callet und Prensal blanc, anzupflanzen. Nicht, dass die schlecht waren (oder sind). Mitnichten. Aber wer im großen Stil mitmischen möchte, der kommt an berühmten Gewächsen wie Cabernet Sauvignon, Shiraz oder Chardonnay einfach nicht vorbei. Da die Jungreben auf Mallorca fremd waren, wurden sie aus Südfrankreich auf die Insel importiert. Mit Erfolg. So gilt beispielsweise der Cabernet Sauvignon von Son Bordils als einer der Spitzen-Weine der Balearen.
Last, aber keineswegs least ruht Mallorcas Weinerfolg auch auf zwei deutschen Schultern. Vor rund 10 Jahren war es, als der Hamburger TU-Professor Thomas Matzen in Pollenca mit seinem Weingut Ca’n Vidalet für Aufsehen sorgte. Hier wurde – dank seinem pfälzischen Kellermeister – ein junger Wein erzeugt, der sofort internationale Beachtung fand. Sogar noch mehr Resonanz erzielte der Pharma-Unternehmer Prof. Dr. Michael Popp mit seinem Castell Miquel in Alaro. Nun ja, wer seinen Wein bedeutungsvoll „Stairway to heaven“ nennt, leidet sicherlich nicht unter zu wenig Selbstbewusstsein und besitzt ein ausgeprägtes Marketinggefühl. Aber - und darauf kommt es letztendlich an- der Shiraz und der Cabernet Sauvignon aus dem Hause Castell Miquel sind auch wirklich gute Tropfen und können bei anspruchsvollen Degustationen durchaus mithalten.
Übrigens: nicht jeder der angesagten Winzer muss auf Mallorca nur über eigene Weinberge verfügen. So lebt beispielsweise die Bodega Binigrau in Biniali durchaus auch von der Einlieferung der Traubenernte umliegender Bauern. Auf die richtige Verarbeitung kommt es an. Und darauf, den Geschmack der Konsumenten zu treffen. Mit ihrem Nounat hat Binigrau nicht nur getroffen, sondern eine breite Konkurrenz das Fürchten gelehrt. Seit nunmehr drei Jahren ist der Nounat der In-Wein der Insel-Szene.
Und die „Alten“ ? Nun, die haben sich alle prächtig integriert und spielen das große Spiel mit. Ob der Aia von Miquel Oliver oder der Cabernet Sauvignon von Jaume Mesquida, sie alle zählen zu den Spitzen-Produkten der Insel-Weine. Auch José Luis Ferrer hat in den letzten Jahren eine Wandlung vollzogen und repräsentiert nach wie vor die größte Bodega der Insel, moderner, innovativer und kreativer denn je. 
Fünf Millionen Liter Wein werden auf ca. 2.500 ha inzwischen insgesamt auf Mallorca angebaut und der Trend geht weiterhin steil nach oben. Die Revolution ist noch nicht beendet. Gut so ! 

UNSER AUTOR
Unser Autor Lothar Neuse ist ein Weinfachmann mit Leidenschaft.  Über einige Jahre hinweg war er der erste deutsche Repräsentant der führenden Wein-Bodegas Mallorcas und leitete gemeinsam mit seiner Frau Ellen das In-Lokal LA BODEGA ANDRATX in Port d´ Andratx mit einem Angebot von über 300 Spitzen-Weinen aus aller Welt. Heute unterstützt Lothar seine Frau beim Betrieb des Theater der Träume in Düsseldorf, eine der angesagten Event-Locations in Deutschland. Nach wie vor pendelt er zwischen Deutschland und Mallorca und berät einige Spitzen-Restaurants der Insel bei der Weinauswahl.

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